Vom Gravelbike zum Pendlervelo zum Gravelbike

Jan. 22, 2020

Wie sieht ein Pendlervelo aus, das sich trotzdem noch sportlich fährt? Und im Nu auch von einem Laien wieder in ein reines Sportgerät umgebaut werden kann? Unser Geschäftsführer Marcel Kamm hat sich sein ganz persönliches Gefährt für den sportlichen Arbeitsweg zusammengestellt. Oder vielmehr zusammenstellen lassen.

Seit vielen Jahren fahre ich so oft es geht mit dem Velo ins Geschäft. Gravelbike, Rennvelo, Mountainbike, auch ein wunderschönes Cannondale-Citybike steht bei mir in der Garage. So weit so gut, kein Grund zum Jammern. Doch seit einigen Monaten plagen mich regelmässig Rückenprobleme. Über längere Zeit mit einem Rucksack zu fahren wurde zunehmend zur Tortur. Auf das Velopendeln mochte ich trotzdem nicht verzichten, zu wertvoll ist diese Zeit, um sie in verstopften Zügen oder im Stau zu verbringen. Was tun? Um eine sportlich zu fahrende Allwetterwaffe für jedes Terrain zu haben, wollte ich mein Gravelbike möglichst so ausrüsten, dass ich es flexibel fürs Pendeln und das normale Training einsetzen kann. Mein erster Gedanke: Ich nutze meine Bikepacking-Ausrüstung. Doch die für mehrtägige Touren ideale Sattelstützentasche eignet sich nur sehr beschränkt fürs Pendeln. Kein Platz für Laptop und Unterlagen, zu wenig breit und zu wenig belastbar. Deshalb schaute ich mich nach einer Lösung mit Gepäckträgertaschen (vulgo «Sakkoschen») um. Zwar verfügt mein Argon 18 Gravelbike «Dark Matter» über Gepäckträgeraufnahmen, doch wie stabil ist das bei voller Beladung? In unserer Werkstatt entfachte sich ein regelrechter Wettbewerb bei der Suche nach einer idealen Lösung. Und die war – wie immer – ganz einfach: Durch die Steckachse hindurch einen langen Schnellspanner für die untere Fixierung, oben eine Sattelklemme mit einer kleinen Verlängerung, um Schrauben anzubringen. Beide Befestigungspunkte sind damit sehr belastbar und stabil. Ein geeignetes Gepäckträgermodell war schnell gefunden, wasserfeste Standardtaschen (einzeln nutzbar) dran und fertig. Vorteil: Hohes Packvolumen von total 40 Liter, tiefer Schwerpunkt, atombombensichere Befestigung und alles erst noch wasserdicht. Zudem: Innert weniger als einer Minute vollkommen demontier- und montierbar, selbst für einen Laien wie mich. Und das alles an einem sportlich zu fahrenden Gravelbike. Perfekt!

Bergauf höherer Puls

Und wie fährt sich dieser sportliche Packesel nun? Klar, die Agilität leidet unter dem Zusatzgewicht: Gepäckträger rund 400 Gramm, Sakkoschen je rund 850 Gramm und dann natürlich noch der Inhalt, der schnell einmal einige Kilogramm ausmacht. Auf flachen Strecken absolut kein Thema. Bergauf macht sich das Zusatzgewicht vor allem durch hohe Pulswerte bemerkbar. Der Wiegetritt ist gewöhnungsbedürftig, aber unter dem Strich angenehmer als mit einer hin und her pendelnden Satteltasche. Das Gewicht muss aber vor allem beim Bremsen einberechnet werden, die Verzögerung des Bremsweges ist spürbar. Allerdings mit den zuverlässigen SRAM-Scheibenbremsen stets kontrollierbar. Und etwas musste ich auch feststellen: Zwischen engen Autokolonnen durchzwängen wir aufgrund der Breite etwas anspruchsvoller. Unter dem Strich bin ich aber überrascht, wie «normal» und sportlich sich mein Gravelbike trotz Gepäck fährt, auch im Wald, auch in unwegsamerem Gelände. Fürs tägliche Pendeln ist das ideal. Auch für mehrtägige Bikepacking-Touren überlege ich mir ernsthaft, dieses Setup zu fahren. Vor allem, weil ich deutlich mehr Gepäck mitführen kann als mit der kleineren Satteltasche. Das lässt  mehr Optionen zu für Schlechtwettertouren (Stichwort: Abendliches Föhnen der nassen Kleider).

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